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Rezension – „Never Too Late“ – Morgane Moncomble

Das letzte Wochenende war ein sehr leseintensives Wochenende für mich. Ich habe insgesamt drei Bücher angefangen und beendet und meine Tage in meinem Lesesessel verbracht. Eines dieser drei Bücher war Never Too Late von Morgane Moncomble und ich habe ein klein wenig Redebedarf. Daher im Folgenden meine Rezension, inklusive eines Spoilers, diesen werde ich aber markieren.

Never Too Late

Autorin: Morgane Moncomble | Seiten: 480 | Verlag: LYX | Preis: 12,90€ (eBook 9,99€)

Klappentext:

Wer sich als erstes verliebt, hat verloren …
Die Nacht mit Jason sollte eine einmalige Sache sein. Zoé führt keine Beziehungen, und sie verliebt sich nicht – niemals! Doch dann stehen sich die beiden wenige Tage später plötzlich erneut gegenüber, als sie feststellen, dass ihre besten Freunde in dieselbe Wohnung gezogen sind. Und obwohl Zoé den One-Night-Stand am liebsten vergessen würde, kann sie sich nicht gegen das Kribbeln wehren, das Jasons Nähe in ihr hervorruft. Aber ihr Herz wurde schon einmal gebrochen – kann sie es wirklich ein weiteres Mal aufs Spiel setzen?

Bei einem Paar gibt es immer einen, der mehr liebt.
Zoé, Seite 311

Rezension:

Never Too Late ist der zweite Teil der Dilogie. Mit Never Too Close gab es bereits Ende letzten Jahres den Auftakt und beide Bücher ergänzen sich in ihren Covern sehr schön. Sie ähneln sich zwar sehr, aber da die Geschichten beider Bücher gleichzeitig stattfinden, finde ich, dass das ein nettes Detail ist. Bisher habe ich noch keine New-Adult-Bücher gelesen, dessen Handlung zeitgleich abläuft und ich fand es tatsächlich sehr schön, nebenbei noch einmal die Story von Violette und Loan mitzubekommen, wenn natürlich auch Jason und Zoé im Vordergrund stehen.

Abwechslungsreicher und belebender Schreibstil

Morgane Moncombles Art zu schreiben mag ich sehr. Bereits im ersten Band merkte ich, dass sie einen gewissen Humor mit einbringt und so war es auch im zweiten Band. Es gab viele Stellen, an denen ich einfach nur lächeln oder gar lachen musste, weil vor allem Jasons Kommentare doch sehr auflockernd und schön sind. Ich habe das Buch innerhalb eines Tages gelesen, was doch sehr für den flüssigen und belebenden Schreibstil spricht.

Ernste Themen und ihr Umgang

Während Jason mir in Never Too Close noch etwas zu wild und arrogant rüberkam, so merkt man in diesem Buch nichts mehr davon. Er verwandelt sich gar in einen Traum-Protagonisten, was ich persönlich sehr gut fand, ihn so nah kennenzulernen. Gegenüber Zoé war er feinfühliger und dennoch humorvoller, als ich es von ihm nach dem ersten Teil gedacht hätte.

Zoés Geschichte hat mich etwas mehr berührt. Auch wenn Jason mit Rassismus zu kämpfen hat, so ist Zoés Schicksal dennoch ebenso ergreifend. Bereits in der Triggerwarnung wird darauf hingewiesen, dass es in diesem Buch unter anderem um Rassismus, Essstörungen und häusliche Gewalt gehen wird. Ich empfand diese Triggerwarnung als sehr angebracht, denn vor allem Zoés Gedanken zu ihrem Körper und Essverhalten sind doch sehr präsent. Ich finde es erstaunlich, wie die Autorin es geschafft hat, so authentisch mit diesen doch heiklen Themen umzugehen und ein Buch zu kreieren, welche diese thematisiert und ernstnimmt. Zoé ist für mich der Inbegriff einer starken Frau, die ihre guten, aber eben auch ihre schlechten Tage hat und der es schwerfällt, ihre Probleme mit anderen zu teilen, weil es ihr nicht so gravierend erscheint.

Endlich verstehe ich, worum es ihm geht. Jedem Komplex wird ein neues Adjektiv zugeordnet.
Weil Schönheit zufallsbedingt ist. Weil man diese Adjektive nicht auf die leichte Schulter nehmen oder negativ belegen sollte. Warum sollte „schlank" Perfektion bedeuten und „dick" einen Makel?
Zoé, Seite 259

Die Liebesgeschichte der beiden ist ebenfalls authentisch und sehr schön geschrieben. Sie lernen sich in einer Bar kennen und aus einem schlechten One-Night-Stand wird ein Freundeabend bei Violette und Loan, welche mich den beiden befreundet sind, weswegen sie wieder aufeinandertreffen. Aus Wortplänkleleien und sehr unterhaltsamen Auseinandersetzungen entwickelt sich eine Beziehung zwischen den beiden, die sie sich nur nicht früh genug eingestehen.

Achtung, hier kurz der Spoiler:

Dennoch gibt es eine Szene, wo ich das Buch am liebsten zerrissen hätte. Sie finden sich eines Abends in einem Tattoo-Studio wieder, nachdem sie sich gerade mal ein paar Wochen kennen, und der jeweils andere sucht ein Tattoo für denjenigen aus. Während Zoé noch gut davonkommt, weil Jason sehr aufmerksam war und wusste, dass sie Sterne sehr mag, hat Zoé gedacht, dass das zum Spaß ist und die beiden das nicht so ernst nehmen. Jasons Kommentar darauf war lediglich: „Ist doch egal. Ist doch nur Haut.“ und ich finde, dass das ein völlig falsches Bild für Jugendliche entwirft. Ein Tattoo bedarf immer einer ausgereiften Überlegung und vor allem sollte das Motiv stets selbstgewählt sein. „Ist doch nur Haut“ verharmlost die ganze Sache, denn dass beide nun ihr Leben lang mit der Farbe unter der Haut leben müssen, wird dabei vollkommen außer Acht gelassen. Für mich ein absolutes No-Go.

Spoiler Ende!

Trotz des Kommentars von Jason hat er dennoch viele viele gute Momente, in denen er wichtige Dinge sagt. Vor allem das Folgende wird mir immer in Erinnerung bleiben, weil es einfach so wichtig ist und in der Gesellschaft leider viel zu wenig kommuniziert wird.

„Ich werde dir jetzt nicht sagen, dass du nicht fett bist. Nicht, weil du es wärst, sondern weil das nicht der Punkt ist. Und wenn du es wärst? Ja, du hast Hüften, herrliche Hüften, an denen ich mich festhalten möchte, während du mich reitest; ja, du hast Cellulite, aber wer hat das nicht? Ja, du hast Narben, aber sie beweisen, dass du noch da bist. Dein Körper zeigt, dass du eine Überlebende bist, und „fett" ist keinesfalls ein Synonym für „hässlich". Du bist wunderschön und aufregend.."
Jason, Seite 260

Never Too Late hatte für mich genau eine Schwäche und das war die Spoiler-Szene. Ansonsten ist es für mich ein vollkommen gelungenes Buch. Die Charaktere waren belebend und authentisch, ich mochte den Humor und auch die wichtigen Dinge werden mit Sorgfalt und Rücksicht behandelt. Die Geschichte der beiden wird mir vermutlich etwas länger in Erinnerung bleiben.

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